Die deutsche Altersvorsorge ruht auf fünf Säulen, die sich in Förderung, Flexibilität und steuerlicher Wirkung deutlich unterscheiden. Wer den richtigen Mix findet, hebelt jeden eingezahlten Euro um den Faktor 1,5 bis 2 — wer planlos spart, lässt mehrere tausend Euro Förderung pro Jahr liegen. Unser Altersvorsorge-Rechner zeigt dir in Sekunden, wo deine Versorgungslücke liegt und welcher Mix sie schließt.

Die Versorgungslücke: das Fundament der Planung

Die Versorgungslücke ist die Differenz zwischen deinem Bedarf im Ruhestand (Zielrente) und der prognostizierten gesetzlichen Rente. Faustregel: ca. 80 % deines letzten Nettos brauchst du im Alter — die fehlenden 20 % wirken auf den ersten Blick wenig, summieren sich aber über 20–30 Jahre Rentenbezug.

Beispiel: Anna verdient 3.000 € netto, ihre Zielrente liegt also bei ca. 2.400 €. Ihre Rentenpunkte-Prognose ergibt 1.500 € GRV — die Lücke beträgt 900 €/Monat. Über 25 Jahre Ruhestand sind das 270.000 €, die sie über andere Säulen aufbauen muss.

Säule 1 — Gesetzliche Rente (GRV)

Die GRV ist Pflichtversicherung für Angestellte und einige Selbstständige. Beitrag 18,6 % vom Brutto (paritätisch geteilt), Beitragsbemessungsgrenze 2026: 96.600 €/Jahr (West). Aktueller Rentenwert: 39,32 €/Entgeltpunkt. Wer 45 Jahre genau zum Durchschnittsverdienst arbeitet, erreicht 45 EP × 39,32 € = 1.769 €/Monat.

Steuerlich: Beiträge sind anteilig (96 %, 2026) als Sonderausgaben abziehbar. Auszahlung: voll steuerpflichtig (nachgelagerte Besteuerung), Freibetrag sinkt je Renteneintrittsjahr. Trotz Kritik bleibt die GRV das Rückgrat der Altersvorsorge — und ist gegen Inflation und Langlebigkeit nahezu konkurrenzlos abgesichert.

Säule 2 — Betriebsrente (bAV)

Die bAV nach §3 Nr. 63 EStG ist für Angestellte fast immer die Säule mit dem stärksten Förderhebel:

  • Steuerfrei: bis 8 % der BBG-RV — 2026 = 7.728 €/Jahr (644 €/Monat)
  • SV-frei: bis 4 % der BBG-RV — 2026 = 3.864 €/Jahr (322 €/Monat)
  • 15 %-Arbeitgeberzuschuss nach §1a Abs. 1a BetrAVG (Pflicht seit 2022 für alle Verträge)

Wer 200 €/Monat einzahlt, gibt nach Steuer- und SV-Effekt netto oft nur 100–110 € aus — und bekommt durch den Arbeitgeberzuschuss zusätzlich 30 €/Monat in den Vertrag. Mehr Details: Betriebsrente-Guide und bAV-Rechner.

Säule 3 — Riester-Rente

Riester belohnt vor allem Familien mit Kindern. Förderung 2026:

  • Grundzulage: 175 €/Jahr
  • Kinderzulage: 300 €/Jahr je Kind (für ab 2008 Geborene)
  • Sonderausgabenabzug: bis 2.100 €/Jahr (inkl. Zulagen)

Eine Familie mit zwei ab 2008 geborenen Kindern erhält allein 775 € Zulagen pro Jahr — bei einer Mindesteigenleistung von 4 % vom Vorjahres-Brutto (max. 2.100 € minus Zulagen). Weiterhin attraktiv trotz öffentlicher Kritik an Vertragskosten — entscheidend ist ein günstiger Anbieter (idealerweise fondsgebundener Vertrag).

Mehr dazu im Riester-Rente-Rechner.

Säule 4 — Rürup (Basisrente)

Die Rürup-Rente nach §10 Abs. 1 Nr. 2 EStG eignet sich besonders für Selbstständige und Gutverdiener:

  • Beiträge bis 29.343 €/Jahr (Single 2026) bzw. 58.686 € (Verheiratete) zu 100 % als Sonderausgaben absetzbar
  • Bei 42 % Spitzensteuersatz: bis zu 12.300 €/Jahr Steuerersparnis
  • Auszahlung: lebenslange Rente (keine Kapitalauszahlung), Vererbung nur an Ehepartner

Tradeoff: maximaler Steuerhebel auf der Eintrittsseite, dafür inflexibel im Ruhestand. Lohnt sich vor allem, wenn du sicher bist, kein Kapital zu brauchen, und einen hohen Grenzsteuersatz heute hast. Berechne mit dem Rürup-Rente-Rechner.

Säule 5 — ETF-Sparplan

ETFs sind die flexibelste Säule: keine staatliche Förderung, aber auch keine Bindung. Vorteile:

  • Jederzeit verfügbar
  • Sparerpauschbetrag 1.000 €/Jahr (2.000 € Verheiratete) auf Kapitalerträge
  • Teilfreistellung 30 % bei Aktien-ETFs in der Auszahlphase
  • Vererbbar, übertragbar, kombinierbar

Eine breit gestreute Lösung (MSCI World oder MSCI All-Country) reicht meist aus. Erwartete Realrendite: 4–6 % p.a. langfristig. Probiere den Effekt im Sparplan-Rechner oder rechne deine Coast-FIRE-Marke mit dem Coast-FIRE-Rechner.

Der optimale Mix: Förderhebel zuerst

Eine sinnvolle Reihenfolge bei begrenztem Sparbudget:

  1. bAV bis zum AG-Zuschuss-Maximum ausschöpfen (sofortiger 15 %-Zuschuss = garantierte Rendite)
  2. Riester mindestens auf Zulagenmaximum (4 % vom Brutto), wenn Kinder vorhanden sind
  3. Rürup bei Selbstständigen oder hohem Grenzsteuersatz (Steuerhebel)
  4. ETF-Sparplan für Flexibilität und langfristige Performance
  5. Notgroschen separat halten — siehe Notgroschen-Rechner

Rechenbeispiel: Anna, 35, Ledig, 4.000 € Brutto

Anna will mit 67 in Rente. GRV-Prognose: 1.500 €/Monat, Zielrente 2.400 € → Lücke 900 €/Monat. Sie hat 32 Jahre Ansparzeit und 5 % Renditeerwartung.

  • bAV: 100 €/Monat (= 1.200 €/Jahr) → ca. 99 Mio. Förderung über die Laufzeit, ca. 350 € Monatsrente
  • Riester: 175 €/Monat (= Mindestbeitrag) → 175 € Grundzulage, ca. 250 € Monatsrente
  • ETF: 200 €/Monat → ca. 175.000 € Kapital, ca. 880 € Monatsrente bei 20 Jahren Auszahlung

Anna zahlt 475 €/Monat ein, davon werden ihr ca. 1.800 €/Jahr Steuern gespart. Lücke geschlossen, sogar mit Puffer für Inflation.

Häufige Fehler

  • AG-Zuschuss verschenken: wer keine bAV nutzt, lässt 15 % gratis liegen — über 30 Jahre wirken die fehlen.
  • Riester ohne Kinder überdimensionieren: hier ist der Hebel kleiner — ein günstiger ETF schlägt manchen Riester-Vertrag.
  • Nur eine Säule: wer alles in Rürup steckt, hat im Ruhestand keine Liquidität für Sonderausgaben (Auto, Reise, Pflege).
  • Inflation ignorieren: 2.400 € Zielrente in 30 Jahren entsprechen heute eher 1.500 €. Plane real.
  • Nur die Rendite vergleichen: Förderung schlägt Rendite. Eine bAV mit 2 % Garantierendite + 30 % Steuer + 15 % AG-Zuschuss schlägt fast immer einen ETF mit 6 % nach allen Kosten.

Tipps zur Umsetzung

  • Renteninformation beim Rentenversicherungsträger anfordern — gibt dir die GRV-Prognose schwarz auf weiß.
  • Beim Arbeitgeber nach bAV-Konditionen fragen — manche zahlen 50 % oder 100 % freiwilligen Zuschuss.
  • Verträge alle 3–5 Jahre prüfen — Anbieterwechsel oder Tarifwechsel können hunderte Euro Kosten sparen.
  • Inflation einplanen — siehe Inflations-Rechner.
  • Rentenlücke kontinuierlich überwachen — siehe Rentenlücken-Rechner.

Weitere nützliche Rechner