Jeder vierte Erwerbstätige in Deutschland wird vor Erreichen der Regelaltersgrenze berufsunfähig — durch Krankheit, psychische Belastung oder Unfall. Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente deckt nur einen Bruchteil des Einkommens. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) sichert dich vor dem finanziellen Absturz. Unser BU-Rechner zeigt in Sekunden, was deine Absicherung kostet.
Was ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die BU zahlt eine vereinbarte monatliche Rente (BU-Rente), wenn du deinen zuletzt ausgeübten Beruf aus gesundheitlichen Gründen zu mindestens 50 % nicht mehr ausüben kannst — meist für mindestens 6 Monate. Anders als die staatliche Erwerbsminderungsrente prüft die BU den konkret zuletzt ausgeübten Beruf, nicht eine abstrakte Erwerbsfähigkeit.
Wie hoch sollte die BU-Rente sein?
Faustregel: 60–80 % des Nettoeinkommens. Bei 2.500 € Netto sind das 1.500–2.000 €. Wer eine zu niedrige Rente wählt, erlebt im Leistungsfall eine harte Versorgungslücke — zumal die BU-Rente meist sozialversicherungspflichtig ist und ggf. mit der Erwerbsminderungsrente verrechnet werden kann.
Was bestimmt den Beitrag?
Vier Stellschrauben:
- Eintrittsalter — je jünger, desto günstiger und einfacher die Gesundheitsprüfung.
- Berufsgruppe — BG 1 (akademisch/Büro) ist günstig, BG 4 (schwer körperlich) kann das Dreifache kosten.
- BU-Rente — linear: doppelte Rente = doppelter Beitrag.
- Endalter — höheres Endalter bedeutet höherer Beitrag, aber auch passgenauere Absicherung bis zur Regelaltersgrenze.
Berufsgruppen verstehen
Versicherer ordnen jeden Beruf einer Risikogruppe zu:
- BG 1 — Ingenieur, Akademiker mit Bürotätigkeit, Jurist, IT-Berater, Apotheker
- BG 2 — Sachbearbeiter, Lehrer, Bankkaufleute, Verkäufer
- BG 3 — Pflegekraft, Friseur, Koch, Mechatroniker
- BG 4 — Bauhandwerker, Dachdecker, Fliesenleger, Berufe mit hohem Verletzungs- oder Verschleißrisiko
Rechenbeispiel: 30-jährige Software-Entwicklerin
- BU-Rente: 2.000 €/Monat
- Endalter: 67
- Berufsgruppe: 1
- Beitragsdynamik: 2 % p.a.
- Monatsbeitrag: ca. 45 € (Jahresbeitrag ca. 540 €)
Der gleiche Tarif für einen 30-jährigen Dachdecker (BG 4) kostet ca. 130 €/Monat — die Berufsgruppe ist der größte Hebel.
Beitragsdynamik vs. Leistungsdynamik
Beide schützen vor Inflation, wirken aber anders:
- Beitragsdynamik — Beitrag UND BU-Rente steigen jährlich um den gleichen Prozentsatz (z.B. 3 %). Ohne erneute Gesundheitsprüfung.
- Leistungsdynamik — Die laufende BU-Rente wird im Leistungsfall jährlich erhöht (z.B. 2 %). Schützt im Leistungsfall vor Kaufkraftverlust.
Empfehlung: beide einplanen, Verzicht jederzeit ohne Folgen möglich.
Auswahl-Kriterien: worauf achten?
- Verzicht auf abstrakte Verweisung — Pflicht. Sonst kann dich der Versicherer auf einen anderen Beruf verweisen.
- 50-%-Regel — Leistung schon ab 50 % Berufsunfähigkeit, nicht erst ab 75 %.
- Nachversicherungsgarantie — Erhöhung der BU-Rente bei Heirat, Kind, Hausbau ohne neue Gesundheitsprüfung.
- AU-Klausel — Leistung schon bei längerer Arbeitsunfähigkeit (krankgeschrieben > 6 Monate).
- Stundungsoption — Beitrag pausieren bei Elternzeit oder Arbeitslosigkeit.
- Karenzzeit — Leistung möglichst ab dem ersten Tag oder spätestens nach 6 Monaten.
Wer braucht keine BU?
BU lohnt sich für nahezu jeden Erwerbstätigen. Ausnahmen: Beamte mit Dienstunfähigkeits-Klausel haben oft Sonderregeln. Auch Rentner und Personen mit ausreichend Vermögen brauchen keine BU. Studierende und Auszubildende sollten früh abschließen — Beiträge sind dann niedrig und Gesundheitsfragen unkritisch.
Verwandte Rechner
- Erwerbsminderungsrente-Rechner — was die gesetzliche Absicherung wirklich bringt
- Unfallversicherung-Rechner — die unfallbezogene Ergänzung zur BU
- Altersvorsorge-Rechner — die Rentenlücke ohne BU schließen
- Finanz-Check — Gesamtüberblick über deine finanzielle Lage
Häufige Fragen (FAQ)
Was kostet eine BU pro Monat?
Für 1.500 € BU-Rente und Endalter 67: 30-jährige Akademiker (BG 1) ca. 35–45 €/Monat, Handwerker (BG 4) ca. 100–130 €/Monat. Mit 45 Jahren steigt der Beitrag deutlich an.
Lohnt sich die BU auch für Beamte?
Ja, sofern die Dienstunfähigkeits-Klausel fehlt oder Restleistung nicht ausreicht. Studienanwärter sollten früh abschließen, bevor Krankheiten den Tarif verteuern oder unmöglich machen.
Was passiert bei psychischen Erkrankungen?
Psychische Erkrankungen sind heute der häufigste BU-Grund (über 30 %). Gute Tarife leisten auch hier — ohne Ausschluss. Genau lesen!
Sollte ich BU oder Erwerbsunfähigkeitsversicherung wählen?
BU ist deutlich besser, weil sie schon bei 50 % Berufsunfähigkeit im konkreten Beruf leistet. Eine EU greift nur, wenn man überhaupt nicht mehr arbeiten kann — ähnlich der staatlichen Erwerbsminderungsrente.