Rendite ist die zentrale Kennzahl jeder Geldanlage. Doch Rendite ist nicht gleich Rendite: Nominal, real, brutto, netto, einfach, annualisiert — wer die Unterschiede nicht kennt, vergleicht Äpfel mit Birnen. Dieser Artikel erklärt, welche Renditearten es gibt, wie du sie berechnest und worauf du beim Vergleich von ETFs, Tagesgeld und Immobilien achten musst. Mit dem kostenlosen Rendite Rechner kannst du deine eigene Rendite sofort berechnen.

Was ist Rendite?

Rendite misst den Ertrag einer Geldanlage im Verhältnis zum eingesetzten Kapital. Die einfachste Form:

Rendite (%) = (Gewinn ÷ Eingesetztes Kapital) × 100

Wer 10.000 € investiert und nach einem Jahr 10.500 € zurückbekommt, hat eine Rendite von 5 %. So weit, so einfach. Doch bei mehrjährigen Anlagen, unterschiedlichen Auszahlungszeitpunkten und verschiedenen Kostenstrukturen reicht diese Grundformel nicht aus.

Einfache Rendite vs. CAGR

Die einfache Rendite (auch Gesamtrendite) zeigt den prozentualen Gewinn über den gesamten Zeitraum:

Einfache Rendite = (Endwert − Anfangswert) ÷ Anfangswert × 100

Beispiel: Einfache Rendite

Kauf: 10.000 € · Verkauf nach 5 Jahren: 14.000 €

Einfache Rendite = (14.000 − 10.000) ÷ 10.000 × 100 = 40 %

40 % klingt beeindruckend — aber über welchen Zeitraum? Die einfache Rendite ignoriert den Faktor Zeit. Deshalb nutzt man für mehrjährige Anlagen die CAGR (Compound Annual Growth Rate), die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate:

CAGR = (Endwert ÷ Anfangswert)^(1/n) − 1

Beispiel: CAGR berechnen

Kauf: 10.000 € · Verkauf nach 5 Jahren: 14.000 €

CAGR = (14.000 ÷ 10.000)^(1/5) − 1 = 1,4^0,2 − 1 = 6,96 % p. a.

Die CAGR ist die faire Vergleichsgröße zwischen Anlagen mit unterschiedlicher Laufzeit. Ein ETF mit 40 % Gesamtrendite über 5 Jahre (CAGR: 6,96 %) ist weniger rentabel als ein Festgeld mit 25 % über 3 Jahre (CAGR: 7,72 %).

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Nominalrendite vs. Realrendite

Die Nominalrendite ist die Rendite vor Abzug der Inflation. Sie steht auf dem Kontoauszug. Die Realrendite zeigt, wie viel Kaufkraft du tatsächlich gewonnen hast:

Realrendite ≈ Nominalrendite − Inflationsrate

Die exakte Formel nach Fisher lautet:

Realrendite = (1 + Nominalrendite) ÷ (1 + Inflationsrate) − 1
Anlage Nominalrendite Inflation (2,5 %) Realrendite
Tagesgeld3,0 %2,5 %0,5 %
Staatsanleihen3,5 %2,5 %1,0 %
MSCI World ETF (Durchschnitt)8,0 %2,5 %5,4 %
Immobilie (Eigennutzung)3,0 %2,5 %0,5 %

Bei niedrigen Zinsen kann die Realrendite negativ werden. Tagesgeld mit 1,5 % bei 2,5 % Inflation bedeutet: du verlierst jedes Jahr 1 % Kaufkraft. Mit dem Inflationsrechner lässt sich der Effekt über beliebige Zeiträume berechnen.

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Bruttorendite vs. Nettorendite

Die Bruttorendite ist die Rendite vor Steuern und Kosten. Die Nettorendite ist das, was nach allen Abzügen übrig bleibt:

Nettorendite = Bruttorendite − Kosten − Steuern

In Deutschland fallen auf Kapitalerträge 25 % Abgeltungssteuer plus 5,5 % Solidaritätszuschlag (effektiv 26,375 %) an. Dazu kommen je nach Anlage:

  • ETFs: TER (0,1–0,5 %), ggf. Depotgebühren, Teilfreistellung von 30 % auf Aktien-ETFs
  • Tagesgeld: Keine Kosten, aber volle Besteuerung der Zinsen
  • Immobilien: Kaufnebenkosten (8–12 %), Instandhaltung (1–2 % p. a.), Verwaltung

Beispiel: Brutto vs. Netto bei einem ETF

Bruttorendite: 8,0 % p. a.

TER: −0,2 %

Rendite nach Kosten: 7,8 %

Abgeltungssteuer (26,375 % auf 70 % wegen Teilfreistellung): −1,44 %

Nettorendite: ca. 6,36 % p. a.

Rendite verschiedener Anlageklassen im Vergleich

Der faire Vergleich nutzt die CAGR nach Kosten und Inflation. Hier ein Überblick typischer Renditen:

Anlageklasse Typische CAGR (nominal) Realrendite (nach 2,5 % Inflation) Risiko
Tagesgeld (2026)2,5–3,5 %0–1 %Sehr gering
Festgeld (1–3 Jahre)3,0–4,0 %0,5–1,5 %Gering
Staatsanleihen (DE)3,0–3,5 %0,5–1,0 %Gering
MSCI World ETF7–9 %4,5–6,5 %Mittel–Hoch
Immobilien (Vermietung)3–6 %0,5–3,5 %Mittel
Einzelaktien0–15+ %Stark variabelHoch

Die Tabelle zeigt: Höhere Rendite bedeutet immer höheres Risiko. Tagesgeld sichert das Kapital, schlägt aber kaum die Inflation. Ein breit gestreuter ETF-Sparplan liefert langfristig die beste reale Rendite — bei deutlich höherer Schwankung. Mit dem ETF-Sparplanrechner lässt sich die erwartete Vermögensentwicklung berechnen.

Rendite berechnen: Drei Praxisbeispiele

Beispiel 1: ETF-Investment

Du kaufst einen MSCI World ETF für 15.000 €. Nach 10 Jahren ist er 32.000 € wert.

CAGR = (32.000 ÷ 15.000)^(1/10) − 1 = 7,87 % p. a.

Nach Kosten (TER 0,2 %) und Steuern (ca. 1,4 %): Nettorendite ca. 6,27 % p. a.

Beispiel 2: Tagesgeld

Du parkst 20.000 € auf einem Tagesgeldkonto mit 3,0 % Zinsen für 3 Jahre.

Endwert: 20.000 × 1,03³ = 21.855 €

Bruttorendite: 9,27 % gesamt (CAGR: 3,0 %). Nach Steuern: CAGR ca. 2,21 %. Realrendite bei 2,5 % Inflation: −0,29 %.

Beispiel 3: Vermietete Eigentumswohnung

Kaufpreis: 200.000 € (plus 10 % Nebenkosten = 220.000 € Gesamtinvestition). Mieteinnahmen: 8.400 € p. a. Laufende Kosten: 3.000 € p. a. Wertsteigerung: 2 % p. a.

Mietrendite netto: (8.400 − 3.000) ÷ 220.000 = 2,45 % p. a.

Plus Wertsteigerung: 2,45 % + 2,0 % = ca. 4,45 % Gesamtrendite p. a.

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Häufige Fehler beim Rendite berechnen

1. Äpfel mit Birnen vergleichen

Wer die Gesamtrendite eines 10-Jahres-ETF mit dem Jahreszins eines Tagesgeldkontos vergleicht, vergleicht Zeiträume — nicht Anlagen. Immer die CAGR nutzen.

2. Kosten ignorieren

Ein Fonds mit 8 % Bruttorendite und 1,5 % TER schlägt einen ETF mit 7,5 % und 0,2 % TER? Nein. Nach Kosten: Fonds 6,5 %, ETF 7,3 %. Über 20 Jahre macht das bei 50.000 € Startkapital über 15.000 € Unterschied.

3. Inflation ausblenden

3 % Tagesgeld bei 2,5 % Inflation sind keine 3 % Gewinn, sondern 0,5 % realer Zuwachs. Bei höherer Inflation wird die Realrendite negativ.

4. Survivorship Bias

Historische Aktienrenditen beinhalten nur die Unternehmen, die überlebt haben. Die gescheiterten Firmen sind aus den Indizes verschwunden. Deshalb ist breite Diversifikation per ETF sicherer als Einzelaktien.

Fazit

Rendite berechnen bedeutet mehr als Gewinn durch Kapital. Wer Anlagen fair vergleichen will, braucht die CAGR statt der Gesamtrendite, die Realrendite statt der Nominalrendite und die Nettorendite statt der Bruttorendite. Erst dann werden ETFs, Tagesgeld und Immobilien wirklich vergleichbar.

Der schnellste Weg: Anfangs- und Endwert in den Rendite Rechner eingeben und alle Kennzahlen auf einen Blick sehen.

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