Die gesetzliche Rente in Deutschland funktioniert wie ein Punktesystem: Du sammelst über das Berufsleben Entgeltpunkte (auch Rentenpunkte genannt), und zur Rente werden sie mit dem aktuellen Rentenwert in Euro umgerechnet. Mit unserem Rentenpunkte-Rechner projizierst du in Sekunden deine Bruttorente — auf Basis von Bruttolohn, Beitragsjahren und den 2026er Werten der Deutschen Rentenversicherung.
Die Formel auf einen Blick
Die Berechnung folgt drei einfachen Schritten nach §63, §64 und §70 SGB VI:
- Entgeltpunkte pro Jahr = Bruttolohn ÷ Durchschnittsentgelt
- Gesamt-Entgeltpunkte = Σ aller Beitragsjahre
- Monatsrente = Gesamt-Entgeltpunkte × aktueller Rentenwert
Die Eckwerte 2026
| Größe | Wert 2026 | Quelle |
|---|---|---|
| Durchschnittsentgelt | 45.358 € / Jahr | Anlage 1 SGB VI |
| Aktueller Rentenwert (West) | 39,32 € / EP | §68 SGB VI, Verordnung Juli |
| Beitragsbemessungsgrenze West | 96.600 € / Jahr | §159 SGB VI |
| Beitragssatz Rentenversicherung | 18,6 % | §158 SGB VI |
| Maximale EP pro Jahr | ≈ 2,13 | 96.600 / 45.358 |
Hinweis: Seit 1. Juli 2024 gilt der einheitliche Rentenwert für West und Ost. Die hier genannten Werte sind 2026er Schätzungen — die finale Anpassung zum 1. Juli 2026 wird per Verordnung festgesetzt.
Beispiel: 1,0 Entgeltpunkte
Wer ein Jahr lang exakt 45.358 € brutto verdient, bekommt für dieses Jahr 1,0 Entgeltpunkte. Das ist die Definition von „Durchschnittsentgelt": 1 EP entspricht einem Durchschnittsverdiener-Jahr. Über 45 Beitragsjahre mit Durchschnittsverdienst ergibt das 45 EP × 39,32 € = 1.769,40 € Bruttorente pro Monat — das ist der berühmte „Eckrentner".
Beispiel: Höheres Einkommen, mehr Entgeltpunkte
| Bruttolohn | EP pro Jahr | EP nach 30 Jahren | Monatsrente |
|---|---|---|---|
| 30.000 € | 0,66 | 19,8 | 779 € |
| 45.358 € (Durchschnitt) | 1,00 | 30,0 | 1.180 € |
| 60.000 € | 1,32 | 39,7 | 1.561 € |
| 90.000 € | 1,98 | 59,5 | 2.341 € |
| 96.600 € (BBG) | 2,13 | 63,9 | 2.512 € |
| 150.000 € | 2,13 (Cap) | 63,9 | 2.512 € |
Wer über 96.600 € verdient, sammelt keine zusätzlichen Punkte. Der Spitzenverdiener ist im gesetzlichen System gedeckelt — was über die BBG hinausgeht, kann nur privat (z. B. Rürup-Rente oder ETF-Sparplan) für die Altersvorsorge genutzt werden.
Was zählt — und was nicht?
Entgeltpunkte gibt es nicht nur fürs reguläre Erwerbseinkommen. Ein paar wichtige Sondertatbestände:
- Kindererziehungszeiten — pro Kind 3 Jahre × 1 EP = 3 EP (für Geburten ab 1992)
- Pflege von Angehörigen — bis zu 1 EP pro Jahr, je nach Pflegegrad
- Arbeitslosengeld — Beiträge werden vom AG (Bundesagentur) gezahlt; ergibt EP — siehe Arbeitslosengeld-Rechner
- Krankengeld, Elterngeld — anrechnungsfähig (Elterngeld nur teilweise)
- Selbständigkeit — nur freiwillige Beiträge oder Pflichtversicherung (Künstler, Handwerker)
- Minijob — pauschale RV-Beiträge ergeben sehr geringe EP, Aufstockung möglich (siehe Minijob-Rechner)
Sind 45 Entgeltpunkte realistisch?
Der „Eckrentner" mit 45 EP ist eine Modellrechnung — die tatsächlichen Durchschnittsrenten sind deutlich niedriger. Männer in den alten Bundesländern beziehen ca. 1.450 €, Frauen rund 950 € (Bestand 2025). Hauptursachen:
- Teilzeit, Kindererziehung, Pflege — weniger Beitragsjahre
- Niedriglohnsektor — < 1 EP pro Jahr
- Lücken durch Studium, Auslandsaufenthalt, Selbständigkeit
- Frührente mit Abschlägen — siehe Frührente-Rechner
Mit dem Rentenlücken-Rechner findest du heraus, wie viel zwischen prognostizierter Rente und gewünschtem Lebensstandard fehlt — und mit dem Sparplan-Rechner, wie viel du privat zur Schließung dieser Lücke ansparen musst.
Der Rentenwert: dynamisch, nicht fix
Wichtig: Der Rentenwert von 39,32 € gilt heute. Er wird jährlich zum 1. Juli angepasst — meist nach oben, gekoppelt an die Lohnentwicklung (§68 SGB VI). Historisch ist er von 26,13 € (1992) auf über 39 € (2025) gestiegen. Wer in 30 Jahren in Rente geht, bekommt also voraussichtlich einen höheren Rentenwert — Inflation senkt aber gleichzeitig die reale Kaufkraft. Mehr dazu im Inflation verstehen-Artikel oder mit dem Inflationsrechner.
Die Steuern und Abgaben auf die Rente
Vorsicht — die Bruttorente ist nicht das, was bei dir landet:
- Krankenversicherung: ca. 8,1 % (KVdR) — siehe Sozialversicherungs-Rechner
- Pflegeversicherung: 3,4 % bzw. 4,0 % für Kinderlose — Pflegeversicherungs-Rechner
- Einkommensteuer: ab Rentenbeginn 2026 zu 88 % steuerpflichtig (kohortenabhängig, ab 2058 zu 100 %)
Aus 1.770 € Bruttorente werden netto oft nur ~1.500 €. Mit dem Einkommensteuerrechner rechnest du den steuerlichen Effekt durch.
Häufige Fehler
- Rentenwert mit Bruttolohn verwechseln — 39,32 € ist pro Entgeltpunkt, nicht pro Stunde oder Monat
- BBG ignorieren — wer 150.000 € verdient, bekommt nicht 3,3 EP, sondern nur 2,13 EP
- Kindererziehungszeiten vergessen — pro Kind 3 EP automatisch (Geburten ab 1992)
- Renteninformation nicht prüfen — Versicherungsverlauf einmal jährlich kontrollieren, Lücken sofort melden
- Ohne Plan — wer keine Vorsorge plant, verlässt sich auf 1.180 € Rente bei Durchschnittsverdienst. Zu wenig.
Strategien zum Aufstocken
- Ausgleichszahlung nach §187a SGB VI — gleicht Frührente-Abschläge aus, steuerlich absetzbar (siehe Frührente-Rechner)
- Freiwillige Einzahlungen — ab dem 50. Lebensjahr möglich, je 1 EP kostet 2026 etwa 8.500–9.000 €
- Rürup-Rente — staatlich geförderte private Basisrente, voll steuerlich abziehbar (Rürup-Rente-Rechner)
- Riester-Rente — mit Zulagen, vor allem für Familien (Riester-Rente-Rechner)
- ETF-Sparplan — flexibel, langfristig oft renditestärker (Sparplan-Rechner)
- FIRE-Strategie — finanzielle Unabhängigkeit unabhängig vom System (FIRE-Rechner)
Weitere nützliche Rechner
- Rentenpunkte-Rechner — Entgeltpunkte und prognostizierte Rente berechnen
- Rentenlücken-Rechner — wie viel fehlt im Alter?
- Frührente-Rechner — Abschläge und Ausgleichszahlung
- Rürup-Rente-Rechner — Basisrente und Steuerersparnis
- Riester-Rente-Rechner — Zulagen und Steuervorteile
- Sozialversicherungs-Rechner — alle Beiträge im Überblick
- Sparplan-Rechner — privat vorsorgen
- FIRE-Rechner — finanziell unabhängig