Albert Einstein soll den Zinseszins als „achtes Weltwunder" bezeichnet haben. Ob das Zitat echt ist, sei dahingestellt — der Effekt dahinter ist real. Wer den Zinseszins versteht, trifft bessere Entscheidungen beim Sparen, Investieren und bei der Altersvorsorge.

Was ist der Zinseszins?

Beim einfachen Zins bekommt man Zinsen nur auf das ursprüngliche Kapital. Beim Zinseszins werden die Zinsen dem Kapital zugeschlagen und verzinsen sich im nächsten Jahr mit. Man verdient also Zinsen auf Zinsen.

Einfaches Beispiel

Du legst 1.000 € zu 5 % Zinsen an. Nach einem Jahr hast du 1.050 €. Im zweiten Jahr bekommst du 5 % auf 1.050 € — also 52,50 € statt nur 50 €. Der Unterschied wächst mit jedem Jahr.

Die Zinseszinsformel

Die Formel für den Zinseszins ist einfacher als sie aussieht:

Endkapital = Startkapital × (1 + Zinssatz)^Jahre

Oder in Kurzform: K = K₀ × (1 + p)ⁿ

  • K₀ = Startkapital (z. B. 1.000 €)
  • p = Zinssatz als Dezimalzahl (5 % = 0,05)
  • n = Anzahl der Jahre
  • K = Endkapital nach n Jahren

Was die Formel zeigt: Das Wachstum ist exponentiell, nicht linear. Je länger du sparst, desto stärker wirkt der Effekt.

Der Zinseszinseffekt über 10, 20 und 30 Jahre

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich 10.000 € bei verschiedenen Zinssätzen entwickeln — ohne zusätzliche Einzahlungen, nur durch den Zinseszinseffekt:

Zinssatz Nach 10 Jahren Nach 20 Jahren Nach 30 Jahren
3 % 13.439 € 18.061 € 24.273 €
5 % 16.289 € 26.533 € 43.219 €
7 % 19.672 € 38.697 € 76.123 €
10 % 25.937 € 67.275 € 174.494 €

Bei 7 % pro Jahr — einer realistischen langfristigen Aktienrendite — versiebenfacht sich das Kapital in 30 Jahren. Die Hälfte dieses Wachstums passiert in den letzten 10 Jahren. Das zeigt: Zeit ist der wichtigste Faktor.

Wie Sparer den Zinseszins nutzen

ETF-Sparpläne

Breit gestreute ETFs auf den MSCI World haben historisch etwa 7–8 % pro Jahr erzielt. Wer monatlich per Sparplan investiert und Ausschüttungen reinvestiert (oder einen thesaurierenden ETF wählt), nutzt den Zinseszinseffekt voll aus.

Festgeld und Tagesgeld

Auch bei sichereren Anlagen wie Festgeld wirkt der Zinseszins — wenn auch langsamer. Bei 3 % Festgeldzins werden aus 10.000 € in 20 Jahren immerhin 18.061 €.

Sparpläne mit regelmäßigen Einzahlungen

Am stärksten wirkt der Zinseszins, wenn du regelmäßig einzahlst. 200 € monatlich über 30 Jahre bei 7 % ergeben etwa 243.000 € — bei nur 72.000 € eigener Einzahlung. Über 170.000 € kommen allein durch den Zinseszinseffekt.

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Häufige Fehler beim Vermögensaufbau

1. Zu spät anfangen

Der Zinseszins braucht Zeit. Wer mit 25 anfängt, hat gegenüber jemandem, der mit 35 startet, einen enormen Vorteil — selbst bei gleicher Sparrate. 10 Jahre mehr bedeuten nicht 30 % mehr, sondern oft das Doppelte.

2. Zu oft umschichten

Jeder Verkauf unterbricht den Zinseszinseffekt. Transaktionskosten und Steuern auf realisierte Gewinne schmälern die Rendite. Buy-and-Hold schlägt häufiges Trading in den allermeisten Fällen.

3. Die Inflation vergessen

Bei 2 % Inflation halbiert sich die Kaufkraft in 35 Jahren. Die reale Rendite ist immer Nominalrendite minus Inflation. Mit unserem Inflationsrechner lässt sich das berechnen.

4. Gewinne entnehmen statt reinvestieren

Wer Dividenden oder Zinsen entnimmt statt reinvestiert, schaltet den Zinseszins praktisch ab. In der Ansparphase sollten Erträge immer im Topf bleiben.

Fazit

Der Zinseszins ist kein Geheimnis — aber er wird systematisch unterschätzt. Die Kernregeln sind einfach:

  1. Früh anfangen. Jedes Jahr zählt.
  2. Regelmäßig einzahlen. Schon kleine Beträge summieren sich.
  3. Erträge reinvestieren. Nur so wirkt der Effekt.
  4. Geduld haben. Die stärkste Phase kommt am Ende.

Die beste Zeit zu investieren war vor 20 Jahren. Die zweitbeste Zeit ist jetzt.

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