100 € im Monat klingt nicht nach viel. Doch wer diesen Betrag über Jahre in einen ETF-Sparplan steckt, baut systematisch Vermögen auf. Die Frage ist: Wie viel genau? Dieser Artikel rechnet vor, was bei verschiedenen Laufzeiten und Renditen herauskommt — mit konkreten Zahlen und ohne Bankberater-Sprech.

Was ist ein ETF-Sparplan?

Ein ETF-Sparplan ist ein automatisierter Dauerauftrag bei einem Broker. Jeden Monat wird ein fester Betrag in einen oder mehrere ETFs investiert. ETFs (Exchange Traded Funds) bilden einen Index wie den MSCI World oder den S&P 500 nach und streuen das Risiko über Hunderte oder Tausende Aktien.

Der Vorteil gegenüber Einzelaktien: Du brauchst kein Timing und keine Analyse. Du kaufst automatisch — bei hohen und niedrigen Kursen. Dieses Prinzip nennt sich Cost-Average-Effekt: Bei niedrigen Kursen bekommst du mehr Anteile, bei hohen weniger. Über die Zeit glättet sich der Einstiegspreis.

Gut zu wissen

Die meisten Neobroker bieten ETF-Sparpläne ab 1 € monatlich an — oft ohne Ausführungsgebühren. Einstiegshürden gibt es praktisch keine.

ETF-Sparplan berechnen: Die Formel

Die Berechnung eines Sparplans nutzt die Formel für die nachschüssige Rentenrechnung:

Endkapital = Sparrate × ((1 + r)^n - 1) / r
  • Sparrate = monatliche Einzahlung (z. B. 100 €)
  • r = monatlicher Zinssatz (Jahresrendite / 12)
  • n = Anzahl der Monate

Bei 7 % Jahresrendite und 100 € monatlich über 30 Jahre ergibt sich:

r = 0,07 / 12 = 0,005833
n = 30 × 12 = 360
Endkapital = 100 × ((1,005833)^360 - 1) / 0,005833
Endkapital ≈ 121.997 €

Eingezahlt hast du 36.000 €. Der Rest — rund 86.000 € — kommt vom Zinseszinseffekt.

100 € monatlich anlegen: Was kommt dabei raus?

Die folgende Tabelle zeigt, was aus 100 € monatlicher Sparrate bei verschiedenen Renditen und Laufzeiten wird:

Rendite p.a. Nach 10 Jahren Nach 20 Jahren Nach 30 Jahren
5 % 15.528 € 41.103 € 83.226 €
7 % 17.308 € 52.093 € 121.997 €
9 % 19.351 € 66.789 € 183.074 €
11 % 21.700 € 86.564 € 280.452 €

Eigene Einzahlung: 12.000 € (10 J.), 24.000 € (20 J.), 36.000 € (30 J.). Alles darüber ist Rendite.

Bei 7 % Rendite nach 30 Jahren hast du 36.000 € eingezahlt und bekommst fast 122.000 € zurück. Das ist mehr als das Dreifache deiner Einzahlung. Und der Großteil des Wachstums passiert in den letzten 10 Jahren.

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Welche Rendite ist realistisch?

Die historische Rendite hängt vom gewählten Index ab. Hier ein Überblick über die durchschnittliche jährliche Rendite (vor Steuern, vor Inflation):

Index Zeitraum Rendite p.a.
MSCI World 1975–2024 ca. 9,1 %
S&P 500 1975–2024 ca. 10,5 %
MSCI Emerging Markets 2000–2024 ca. 7,0 %
DAX 1988–2024 ca. 8,3 %

Ein konservativer Ansatz rechnet mit 7 % brutto. Nach Inflation (ca. 2 %) bleiben real etwa 5 %. Diese Zahlen sind Durchschnittswerte — in einzelnen Jahren kann die Rendite stark schwanken.

ETF-Sparplan: 200 € und 500 € im Monat

Nicht jeder kann oder will 100 € sparen. Die Berechnung skaliert linear: doppelte Sparrate = doppeltes Endkapital. Hier der Vergleich bei 7 % Rendite:

Sparrate Nach 10 Jahren Nach 20 Jahren Nach 30 Jahren
50 € 8.654 € 26.047 € 60.999 €
100 € 17.308 € 52.093 € 121.997 €
200 € 34.616 € 104.186 € 243.994 €
500 € 86.541 € 260.465 € 609.985 €

Mit 500 € monatlich und 30 Jahren Geduld wird aus 180.000 € Eigenleistung über 600.000 €. Das reicht in vielen Fällen für eine solide Altersvorsorge.

Was Steuern und Kosten ändern

Steuern

In Deutschland fällt auf Kapitalerträge die Abgeltungsteuer von 26,375 % (inkl. Soli) an. Allerdings gibt es den Sparerpauschbetrag von 1.000 € pro Person (2.000 € bei Ehepaaren). Außerdem profitieren Aktien-ETFs von der Teilfreistellung: 30 % der Erträge sind steuerfrei.

Effektiv zahlst du auf Aktien-ETF-Gewinne etwa 18,5 % Steuern — erst beim Verkauf. Solange du hältst, wächst dein Kapital steuerfrei weiter. Das ist ein enormer Vorteil gegenüber Zinsanlagen, bei denen die Steuer jährlich anfällt.

Kosten

ETFs haben laufende Kosten, die sogenannte TER (Total Expense Ratio). Für einen MSCI-World-ETF liegt sie typischerweise bei 0,10–0,20 % pro Jahr. Das ist ein Bruchteil dessen, was aktive Fonds verlangen (oft 1,5–2 %). Die TER wird direkt vom Fondsvermögen abgezogen und ist in der Kursperformance bereits enthalten.

Rechenbeispiel: Kosten über 30 Jahre

Bei 100 € monatlich, 7 % Rendite und 0,2 % TER verlierst du über 30 Jahre etwa 4.800 € an Kosten. Bei einem aktiven Fonds mit 1,5 % TER wären es über 30.000 €. Die Kostenquote ist einer der wichtigsten Faktoren bei der ETF-Auswahl.

Thesaurierend oder ausschüttend?

ETFs gibt es in zwei Varianten:

  • Thesaurierend: Dividenden werden automatisch reinvestiert. Der Zinseszinseffekt läuft ohne dein Zutun.
  • Ausschüttend: Dividenden werden auf dein Konto ausgezahlt. Du musst sie manuell reinvestieren, um den vollen Zinseszinseffekt zu nutzen.

Für den langfristigen Vermögensaufbau im Sparplan sind thesaurierende ETFs einfacher und steuerlich oft günstiger. Ausschüttende ETFs eignen sich besser, wenn du den Sparerpauschbetrag ausnutzen willst oder regelmäßige Einkünfte brauchst.

Die häufigsten Fehler bei ETF-Sparplänen

1. Den Sparplan in Krisen stoppen

Crashs fühlen sich schlimm an. Aber genau dann kaufst du günstig ein. Wer seinen Sparplan 2020 im Corona-Crash pausiert hat, hat die schnellste Erholung der Börsengeschichte verpasst. Durchhalten ist der wichtigste Erfolgsfaktor.

2. Zu viele ETFs kaufen

Ein einziger MSCI-World-ETF enthält über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Wer dazu noch einen Emerging-Markets-ETF nimmt, deckt 90 % der Weltwirtschaft ab. Drei oder vier ETFs reichen für die meisten Anleger völlig aus.

3. Auf den perfekten Einstieg warten

Market Timing funktioniert nicht — das zeigen Jahrzehnte an Studien. Wer regelmäßig investiert, schlägt fast immer den, der auf den perfekten Moment wartet. Time in the market beats timing the market.

4. Die Inflation ignorieren

122.000 € in 30 Jahren sind weniger wert als 122.000 € heute. Bei 2 % Inflation entsprechen sie einer Kaufkraft von etwa 67.000 € in heutigen Preisen. Plane immer mit realen Werten. Unser Inflationsrechner hilft dir dabei.

ETF-Sparplan vs. Tagesgeld

Viele Deutsche parken ihr Geld auf dem Tagesgeldkonto. Ist das sinnvoll? Ein Vergleich bei 100 € monatlich über 20 Jahre:

Anlage Rendite p.a. Endkapital Gewinn
Tagesgeld 2,5 % 31.097 € 7.097 €
ETF (MSCI World) 7,0 % 52.093 € 28.093 €

Der ETF-Sparplan bringt über vier Mal so viel Gewinn. Natürlich schwankt ein ETF stärker — aber auf 20 Jahre hat ein breit gestreuter Welt-ETF historisch nie Verlust gemacht.

Die Empfehlung: Notgroschen auf dem Tagesgeld, langfristiger Vermögensaufbau im ETF-Sparplan. Wie hoch dein Notgroschen sein sollte, zeigt unser Notgroschenrechner.

Schritt für Schritt: So startest du deinen ETF-Sparplan

  1. Sparrate festlegen. Wie viel kannst du monatlich entbehren? Starte lieber klein und erhöhe später.
  2. ETF auswählen. Für Einsteiger: ein thesaurierender MSCI-World-ETF mit niedriger TER.
  3. Broker eröffnen. Neobroker bieten kostenlose Sparpläne. Vergleiche Ausführungsgebühren und ETF-Auswahl.
  4. Sparplan einrichten. Betrag, ETF, Ausführungstag wählen — fertig.
  5. Laufen lassen. Nicht täglich ins Depot schauen. Einmal im Jahr rebalancen reicht.

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Fazit: Früh anfangen schlägt alles

Ein ETF-Sparplan ist kein Geheimtipp — aber er ist eines der wirkungsvollsten Werkzeuge für den Vermögensaufbau. Die Zahlen sprechen für sich:

  • 100 € monatlich werden bei 7 % Rendite in 30 Jahren zu rund 122.000 €.
  • Davon sind nur 36.000 € eigene Einzahlungen — der Rest ist Zinseszins.
  • Je früher du startest, desto stärker arbeitet die Zeit für dich.

Der beste Zeitpunkt, einen Sparplan zu starten, war vor zehn Jahren. Der zweitbeste ist heute.

Weitere nützliche Rechner: Zinseszinsrechner · Renditerechner · FIRE-Rechner · 72er-Regel-Rechner