Wer als Angestellter dauerhaft mehr als 73.800 € im Jahr verdient, als Beamter eingestellt wird oder sich selbständig macht, steht vor der Entscheidung: GKV oder PKV? Mit unserem PKV-Rechner ermittelst du sofort, was die private Krankenversicherung 2026 in deinem Tarif kostet — inklusive Arbeitgeberzuschuss, Selbstbeteiligung und Beitragsrückerstattung.

Wie funktioniert die PKV?

Im Gegensatz zur gesetzlichen Krankenversicherung ist der Beitrag in der PKV nicht einkommensabhängig, sondern aktuariell — er hängt ab von Eintrittsalter, Tarifausgestaltung, Selbstbeteiligung und Gesundheitszustand. Wer jung und gesund einsteigt, zahlt weniger — und die Versicherer bilden Altersrückstellungen, um die Beiträge im Alter abzufedern.

Beitragsmodell 2026 — typische Marktdurchschnitte

Über die großen Anbieter (Allianz, Debeka, DKV, Hallesche, Signal Iduna, Continentale) hinweg lassen sich für den Komfort-Tarif (ambulant, stationär Zweibettzimmer, Zahn 60 %, ohne Selbstbeteiligung) folgende Größenordnungen beobachten:

EintrittsalterBasisKomfortPremium
30 Jahre~300 €~425 €~610 €
40 Jahre~350 €~500 €~720 €
50 Jahre~455 €~650 €~935 €
60 Jahre~595 €~850 €~1.225 €

Arbeitgeberzuschuss (§257 SGB V): die 471,32-€-Grenze

Privat versicherte Angestellte erhalten — wie GKV-Versicherte — einen Zuschuss vom Arbeitgeber. Der beträgt 50 % des PKV-Beitrags, höchstens jedoch den paritätischen Höchstbetrag der GKV: 2026 sind das 471,32 €/Monat (= 5.512,50 € BBG × 17,1 % Gesamtsatz / 2).

  • Beitrag 600 €/Monat → Zuschuss 300 € (50 % unter Cap)
  • Beitrag 800 €/Monat → Zuschuss 400 € (50 % unter Cap)
  • Beitrag 1.000 €/Monat → Zuschuss 471,32 € (Cap aktiv)

Der nicht bezuschusste Anteil bleibt als Eigenanteil beim Versicherten — oft entscheidend für die Wirtschaftlichkeit der PKV im Vergleich zur GKV.

Beihilfe für Beamte — der größte PKV-Vorteil

Beamte erhalten von ihrem Dienstherrn eine Beihilfe auf Krankheitskosten — typischerweise 50 % (aktiv, mit Familie), 70 % (Bund, ledig) bis 80 % (Pensionäre). Den Rest müssen sie privat absichern. Da die PKV nur die Lücke zur Beihilfe versichert, sind PKV-Beiträge für Beamte spektakulär günstig:

  • Beamter 35 J., Beihilfe 70 % → PKV-Beitrag oft nur 150–200 €/Monat
  • Beamter 55 J., Beihilfe 70 % → PKV-Beitrag etwa 250–350 €/Monat

Eine GKV-Mitgliedschaft als Beamter würde dagegen rund 8,55 % vom Brutto kosten — ohne Erstattungsanspruch durch Beihilfe. Für die meisten Beamten ist die PKV daher fast alternativlos.

Selbstbeteiligung — ein effektiver Beitragshebel

Wählst du eine jährliche Selbstbeteiligung, sinkt dein Monatsbeitrag spürbar. Typische Modelle:

Selbstbeteiligung/JahrBeitragssenkungBreak-Even
0 €
300 €~7 %~3.500 € Beitrag p.a.
600 €~14 %~3.500 € Beitrag p.a.
1.200 €~22 %~5.500 € Beitrag p.a.

Eine SB von 600 € ist meist ein guter Kompromiss: Bei einem Komfort-Beitrag von 500 €/Monat (= 6.000 €/Jahr) sparst du etwa 840 €/Jahr — selbst wenn du die SB voll ausschöpfst, hast du noch 240 €/Jahr Vorteil.

Beitragsrückerstattung (BRE) — bis zu 6 Monatsbeiträge zurück

Reichst du in einem Kalenderjahr keine Rechnungen ein, erstattet dein PKV-Anbieter dir 1–6 Monatsbeiträge zurück. Die Tarif-Praxis 2026:

  • Allianz, AXA: bis zu 6 Monatsbeiträge
  • Debeka, DKV: 3–4 Monatsbeiträge
  • Signal Iduna, Hallesche: 2–4 Monatsbeiträge

Die BRE ist steuerfrei — anders als der Sonderausgabenabzug für die laufenden Beiträge wird sie nicht zurückversteuert. Vor jeder Rechnungseinreichung lohnt sich die Frage: Ist meine Erstattung höher als die BRE?

Rechenbeispiel: Angestellter, 40 J., Komfort-Tarif, 600 € SB, 2 Monate BRE

  • Monatsbeitrag (Tabelle): 500 € × 0,86 (SB-Faktor) = 430 € / Monat
  • Arbeitgeberzuschuss: 50 % = 215 €/Monat (unter Cap)
  • Eigenanteil: 215 € / Monat = 2.580 €/Jahr
  • + Selbstbeteiligung (max.): 600 €
  • − Beitragsrückerstattung (2 Mt.): 860 €
  • Effektive Jahreskosten: 2.320 €

Zum Vergleich: Bei 6.000 € Brutto/Monat würde die GKV (17,1 %) 513 €/Monat Eigenanteil kosten = 6.156 €/Jahr — also 3.836 €/Jahr mehr.

GKV vs. PKV — die ehrliche Bilanz

Pro PKV:

  • Bessere Leistungen (Chefarzt, Heilpraktiker, höhere Zahnerstattung, Einbettzimmer)
  • Einkommensunabhängiger Beitrag
  • Beitragsrückerstattung bei Schadenfreiheit
  • Wahltarife mit Selbstbeteiligung möglich

Contra PKV:

  • Keine kostenfreie Familienversicherung wie in der GKV — jedes Kind und der nicht erwerbstätige Partner kostet einen eigenen Beitrag
  • Beiträge steigen im Alter (Inflation des Gesundheitswesens, geringere Altersrückstellungen)
  • Rückkehr in die GKV ab 55 nur in Sondersituationen möglich
  • Vorleistungspflicht: Du zahlst zuerst, bekommst dann erstattet

Wer kann in die PKV wechseln?

  • Angestellte mit Bruttoeinkommen über der Versicherungspflichtgrenze (JAEG 73.800 €/Jahr in 2026)
  • Beamte und Beamtenanwärter — sofort möglich
  • Selbständige und Freiberufler — jederzeit, ohne Einkommensgrenze
  • Studenten — bis Ende des 14. Fachsemesters bzw. 30. Lebensjahr

Häufige Fehler vermeiden

  • Zu früh in den Basistarif — niedrige Einstiegsbeiträge bedeuten oft schwache Leistungen, die im Alter teuer werden.
  • Selbstbeteiligung zu hoch — wer chronisch krank ist, schöpft die SB jedes Jahr aus und verschenkt dann den Beitragsvorteil.
  • BRE blind ausnutzen — bei einer 1.500-€-Erstattung und nur 1.000 € BRE solltest du einreichen.
  • Familienplanung vergessen — pro Kind kommt ein PKV-Vertrag dazu (~150–200 €/Monat).
  • Pflegezusatz ignorieren — die Pflegepflichtversicherung kommt obendrauf, ist aber günstiger als in der GKV.

PKV-Beiträge in der Steuererklärung

PKV-Beiträge sind im Rahmen der Basisabsicherung als Sonderausgabe abziehbar (§10 EStG). Die Aufteilung erfolgt in der Anlage Vorsorgeaufwand:

  • Zeile 13: Eigene PKV-Beiträge (Basisabsicherung Krankenversicherung)
  • Zeile 14: PKV-Beiträge für Pflegepflichtversicherung
  • Zeile 15: Wahlleistungen, Krankentagegeld, Zahnzusatz — bis 1.900 €/2.800 € Höchstbetrag

Beiträge zur Basisabsicherung sind seit dem Bürgerentlastungsgesetz 2010 voll absetzbar — bei einem Beitrag von 500 €/Monat reduzierst du dein zu versteuerndes Einkommen um 6.000 €/Jahr.

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